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Ach herrje, Julia hat meine Gedichte aufgegessen! Sie müssen ihr geschmeckt haben, denn nun tanzt sie. Oh, gib sie mir zurück, von Mund zu Mund, damit ich sie hier vorstellen kann, so wie diese:
In der Kammer meines Herzens hängt noch der Geruch deines Mundes. Der Klang deiner Zunge widerhallt in der Höhle meines Bauches. Auf meiner verwaisten Wange steht noch der Gruß deiner Lippen. Lippen, Wange, Bauch, Zunge, Mund, Herz – das ergibt ein Gedicht.
embryonal lieg ich bei dir betrachte deinen kopf mit abstand wie ich an deinem mund bin du fragst nach kunst du frißt ein kunstwerk fragst was ich suche wenn du dich zur seite wendest mir deinen hals zu zeigen du hast mal was über den tänzerischen blick gelesen
intermezzo! sie kommt rein: setzt sich auf dein schoß, ergreifst sie! schlingst dich um sie fest gekrallt den bauch lutschend, den rücken fressend, wollend, das gesicht pressend! u gestern!
Der Mond ist aus Käse Nachts zieht er Fäden Versteckt in der Kammer meines Leibes Tausche ich Verschwörerküsse Mit meinen unsterblichen Schwestern Wir spielen mit verwunschenem Spielzeug Trinken Wein aus Blut Und lieben uns Mit silbernen Leibern
Jungbrunnen
In der Dämmerung zwischen Nüchternheit und Traum feiern die Kinder des Mondes Hochzeit. Aus dem Himmel stürzen die siderischen Strahlen und fluten die Leiber mit Wonne – zwischen den Lenden und Brüsten bersten die Sonnen. Erst in der irdischen Kühle des Morgens müssen wir ewigen Kinder den Taumel unserer Tänze vergessen.
In meinen Gedichten entblöße ich mich in meinen Gedichten verhülle ich mich Wenn du zu mir sprichst bin ich dir zu Willen wenn du über mich redest entziehe ich mich In jedem Kuß bin ich zugegen nach jedem Kuß verlasse ich dich
Wintersaat
In den fruchtbaren Boden Deiner winterlichen Seele Habe ich Tausende Samen gepflanzt: Mit zärtlicher Geste Streute ich meine Worte In klaffende Furchen Geschenke legte ich dir Vor die brennenden Füße Und zwischen die Zeilen meiner Briefe Versteckte ich köstliche Versprechungen Bald wird es Frühjahr werden Und schon regen sich Knospen Zwischen deinen Lenden
Käfer
Wenn der Marienkäfer wieder Sein Nest zwischen deinen Schenkeln anfliegt
Und wenn er dann durchs Gestrüpp Krabbelt – du spürst es, ja? –
Dann putzt er seine roten Flügel und Verliert all seine schwarzen Punkte
Frühling bei dir
I Ich sitze in deinem Sessel und schaue durch dein traumumranktes Fenster: Vor klarblauem Himmel quellen leuchtendweiße Berge, zwischen nüchterngrünen Blättern glänzen silberne Spinnweben. Es wird mir wieder so astrologisch zumute: Ich möchte dir gern ein gutes Horoskop stellen. Ach, die herrliche Sonne verbrennt alles!
II Ich sitze in deinem Sessel, ich ruhe in deinem Körper, ich wandere in deinem Geist.
Mignons Sommerabend
Der Mond ist aufgegangen, ich schaue wie befangen zum klaren Himmel auf. Ein feines Wolkenband zieht über stilles Land, kein Wind kommt auf. In den Fluren Grillen sitzen, Glockenklang von Kirchturmspitzen, die Gespensterchen erwachen und die ersten Sterne lachen mir durchs Fenster zu, wünschen gute Ruh. Von dem Mond das Lichte borgen sich die Geisterchen bis morgen.
(nach Versen von Annegret)
Prinzessin Perle
Inmitten von Briefen wächst eine kleine Prinzessin auf verstreut auf dem Boden, den Möbeln, dem Bett liegen Liebesbriefe aus vielen Jahrhunderten geschrieben in tausend Sprachen und täglich bringt die Post neue
Längst hat sie es aufgegeben die Briefe zu ordnen sie ist zu sehr beschäftigt sie zu lesen und wiederzulesen auch wollen die Briefe nicht abgelegt werden sie springen von selbst aus den Schubladen und flattern im Zimmer umher
Es besteht sogar der Verdacht daß die Briefe sich heimlich verändern während des Lesens verschwinden einzelne Buchstaben hinter jedem Wort glänzt schon ein anderes auf und im Reigen der Sätze wechseln Substantiv, Adjektiv, Verb immer wieder die Plätze
Längst sind Tag und Nacht eins geworden die Monde und Jahre vergehen ohne daß die Prinzessin aufhört zu lesen ob sie wacht oder träumt weiß sie selbst nicht mehr
Wer die Briefe ihr schreibt? Es sind Engel
Tagesablauf einer Hexe
Der Morgen
Am Anfang war der Schlaf.
So ungefähr um zehn Uhr, oder später, macht die Hexe zum erstenmal ihre Äuglein auf – aber gleich wieder zu! Sie weiß jetzt, daß sie wachgeworden ist. Sie ruft – mit geschlossenen Augen – die Träume der Nacht in Erinnerung. Hat sie die Träume so ungefähr beisammen, öffnet sie die Äuglein wieder, ergreift ihr Traumbuch und schreibt ohne viel Nachdenken alles hinein, was sie interessant findet.
Nun, nachdem sie diese anstrengende und für das Wohl des Staates so notwendige Arbeit getan hat, ruht sie sich erstmal noch ein Viertelstündchen aus. Sie streckt genüßlich ihren Hals und ihre Glieder und denkt so dies und das oder auch nichts – jedenfalls freut sie sich nun sogar aufs Aufstehen.
Selbstverständlich beginnt keine Hexe einen Tag, ohne sich über die Positionen der Gestirne über und unter ihrem Bett informiert zu haben. Diese müssen sorgfältig mit dem Horoskop verglichen werden, um auf alle Eventualitäten, die der Tag bringen mag, vorbereitet zu sein. Besuche von anderen Hexen? Liebesrausch am Nachmittag? Zerbricht eine Lieblingstasse? Kommt der langersehnte Brief vom Archiv für Frühgeschichte des Hexentums? Je nachdem, wie gesprächig die Ephemeride ist, können auch Tarotkarten zu Rate gezogen werden.
Doch heute steht die Venus in günstigem Winkel zur Nase und das Wagnis des Aufstehens kann eingegangen werden. Es ist inzwischen so gegen elf Uhr. Nackicht tapst die Hexe durch ihre Wohnung ans südliche Fenster – oder ans nördliche, wenn sie in der anderen Hälfte des Universums wohnt – und schaut hinaus: Dort draußen erblickt sie die Sonne, den Himmel, den Horizont, die Felder und Bäume und Häuser. Alles noch da. Gut.
Jetzt geht sie ins Bad, wäscht sich – vielleicht –, zieht sich – mehr oder weniger – an. Dann macht sie sich ans Kaffeekochen. Den filtert sie durch eine alte Unterhose. Währenddessen kommt ihre biblische Katze nach Hause; die möchte natürlich gestreichelt werden, worüber wiederum so manche stille Minute ins Land zieht. Danach werden Lebkuchen und selbst angebaute und wild geerntete Früchte gegessen, auf silbernem Eßgeschirr.
Soll sie heute etwas arbeiten, die Hexe? Die Frage bleibt unbeantwortet im Raum stehen.
Geschichte aus Möbiusland
»Was ist das: Ich liebe Dich?«
Als die Berater der Königin diese Frage hörten, begannen sie nachzudenken, und ihre Köpfe rauchten so stark, daß die Dienerschaft alle Fenster im Schloß öffnen mußte, sonst wäre man jämmerlich erstickt.
Der Mathematiker sagte schließlich: »Das ist, wenn eine Gleichung aufgeht: a = b, klarer Fall.« Der Astronom sagte etwas ähnliches: »Das ist, wenn zwei Planeten in Konjunktion stehen.« Die Königin war noch nicht zufrieden.
Der Ökonom erklärte: »Ich liebe Dich – das ist ein gerechter Tausch zu einem gerechten Preis.« Der Biologe lächelte wissend: »Ach was, das ist nichts anderes als eine Paarung – und was so drumherum noch für Gefühle stattfinden.« Und so ging es weiter – die Vertreter aller Wissenschaften mußten der Königin ihre Aufwartung machen.
Währenddessen lag der liebeskranke König in seinem Schlafgemach auf dem Himmelbett und hatte die Vertreter der Künste um sich versammelt; auch einige abtrünnige Vertreter der Wissenschaft waren bei ihm.
Der Komponist flüsterte: »Die Königin hat noch immer keine Antwort gefunden, die sie befriedigt, mein König. Soll ich zu ihr gehen und ihr mein neuestes Duett für zwei Vogelstimmen vortragen?« Der König winkte ab: »Sie hat im Moment nur Ohren für die kritischen Wissenschaften. Wie sollte sie da begreifen, daß Ich liebe Dich ein Lied ist, das niemals aufhört?«
Der Dichter trat vor: »Vielleicht ein Liebesgedicht? Sogar eins, das sich reimt!« Wiederum winkte der König ab: »Ich hab ihr schon Hunderte Liebesgedichte geschickt, und sie hat's immer noch nicht begriffen.«
Der Botaniker ergriff das Wort: »Vielleicht sollten Eure Majestät ihr eine Blume schenken – für Rosen scheint sie eine Schwäche zu haben, wie ich aus sicherer Quelle weiß.« Der König antwortete:
»Aber versteht doch, lieber Freund: Sie will es über den Kopf erfahren, was Liebe ist, über den Kopf – nicht über das Herz! Wie soll ich ihrem Kopf klarmachen, daß die Liebe eine Rose im Herzen ist, deren Blütenblätter beim ersten Blick aufgehen und sich in alle Ewigkeit weiter und weiter entfalten? Ihr Kopf kann das nicht begreifen – und mir scheint, eure Kollegen haben auch keinen Erfolg.«
In der Tat, aus dem Thronsaal hörte man lautes Geschrei – die Vertreter der Wissenschaften hatten inzwischen entdeckt, daß sich ihre Thesen und Hypothesen auch gegeneinander anführen ließen, und so hatten sie begonnen, miteinander aufs heftigste zu streiten. Der Ökonom verhöhnte die Ansicht des Astronomen, der Biologe warf dem Mathematiker zu große Abstraktheit vor undsoweiter undsofort. Die Dienerschaft mußte aus Furcht, das Volk könne sich von dem Lärm im Königshause belästigt fühlen, die Fenster fest verschließen.
Die Königin hatte die größte Mühe, die Ruhe wiederherzustellen, und endlich erhob sie erneut – diesmal in einem strengeren Ton – die Frage:
intellektuelle
plätschernd liegt der biber auf einem kratzer schwankend zwischen einem und zweien. glucksend schubst die henne vom kiesel überlegend ob nicht. quakend springt der widder aus dem ei fordernd was auch immer. schweigend murmelt der insekt über der hölle duldend dies und jenes.
Weltende
Das in nächtlichem Ritt gezeugte Balg von Jacob und Else ist mondsüchtig und wird zuweilen von Visionen heimgesucht
Es regnet kalt. Flugzeuge stürzen ab. Und böse Männer schaufeln heimlich unser Grab. Häßliche Frauen kauern in der Straßenbahn. Der liebe Gott gießt Blei und fängt zu weinen an.
Der Mond geht widerstrebend in ein neues Zeichen. Die Züge stolpern über falschgestellte Weichen. Ein Zwerg ruft: »Fahrausweiskontrolle!« Dornröschen liegt im Hader mit Frau Holle.
Es muß wohl wahr sein: Daß die Klugen dumm sind. Und daß die Wege in den Himmel krumm sind. Nur noch das schlechte Karma kehrt zurück. Bayern wird nie mehr Räterepublik.
geschrieben 1988
Regelmäßig zu den Wahlen tun gewisse Herren strahlen und sie nehmen ritterlich jener Leute Kreuz auf sich, welche es auf Zettel malen.
Hofheimer Episode am 17. September 1987
Im Aquarium der Fisch, er bleibt schmackhaft, er bleibt frisch, doch hat der Gast nach Fisch Verlangen, muß dieser um sein Leben bangen. Der Kellner greift den Fisch, den kalten, doch fällt’s ihm schwer, den Fisch zu halten, des Fisches Aura ist so glitschich, wodurch dem Zugriff er entzieht sich, bis daß der Kellner (ein Chineser) mit einem langen spitzen Messer den Fisch visiert und sticht hinein – ganz tief, bis zu den Innerei’n –, der Fisch, er zuckt, dann ist er tot und wird serviert mit Wein und Brot. Ins Flugzeug steigt der Dalai Lama – der Fisch schwimmt selig im Nirwana.
Anmerkung: Am 17. September 1987 kam der Dalai Lama in die Stadt Hofheim, hielt eine Rede und ging wieder. Am selben Tag wurde in einem chinesischen Restaurant in Hofheim ein Fisch verspeist.
Nacht, Tag
Die Nacht ist Tag Weil dann die Sterne Unsre Augen wecken
Der Tag ist Nacht Wir sehen nichts Gott spielt mit uns Verstecken
Zweite Geschichte aus Möbiusland: Das sprechende Loch
»Das Loch spricht wieder! Das Loch spricht wieder!«
Als der gedankenverlorene Möbianer – so nennen sich die Bewohner von Möbiusland – diesen Ruf hörte, wollte ihm das Herz zuerst stocken und dann jauchzen vor Freude, und alle Sorgen und aller Schmerz der vergangenen Tage wollten von ihm abfallen wie eine schmutzige Kruste. Wenn das Loch wieder sprach – so hatte Möbiusland seine weise Führung wiedererlangt, die es durch alle Probleme hindurchleitete, und das Chaos und der Verdruß, welche entstanden waren im ganzen Land, seit das Loch aufgehört hatte zu sprechen, würden ein Ende haben.
Von einem zum anderen Tag nämlich hatte das Loch aufgehört zu sprechen. Das Loch – das war das Staatsorakel von Möbiusland, befragt von allen Ständen, von den Bauern und Handwerkern, von den Arbeiterinnen und Arbeitern in den Manufakturen, von umherreisenden Hexen und Kaufleuten, von Beamten und Priesterinnen bis hinauf zum König und der Königin selbst. Das Loch lag genau in der Mitte von Möbiusland – und diese Mitte war überall und alle Möbianer mußten nicht einmal vor die Tür treten, um des Loches angesichtig zu werden. Es war einfach da. Das Loch existierte, seit Möbiusland existierte, vielleicht sogar schon zuvor – solange die Möbianer sich erinnern konnten, immer hatte es das Loch gegeben, und immer hatte es gesprochen zu denen, die zu ihm gepilgert waren mit ihren Fragen und Bitten, sowohl ganz alltäglichen – selbst törichten – als auch solchen, die den tiefsten Sinn seltenster Dinge betrafen. Und immer hatte das Loch Antwort gegeben – hatte klar und laut und deutlich gesprochen, alle Zweifel und Irrtümer mit sicherer Hand beiseiteschiebend, aber doch voller Barmherzigkeit und Milde – und zu jedem hatte es in der Sprache gesprochen, in der es gefragt worden war, und seine Antwort war stets von solcher Art, daß sie auch verstanden werden konnte. Wegen seiner unauslotbaren Weisheit genoß das Loch die allergrößte Verehrung bei ausnahmslos allen Bewohnern von Möbiusland, bei Mann und Frau, Jüngling und Greisin – und, wer weiß, vielleicht auch bei den Tieren, denn es kam den Möbianern so vor, als spräche es auch zu den Tieren und Pflanzen, wenngleich sie es nicht sicher wußten, da sie die Sprachen der Tiere und Pflanzen nicht kannten. Möbiusland aber lebte in Frieden und Wohlstand und, man darf wohl sagen, in Glück, weil die Ratschläge des Lochs alle Angelegenheiten der Möbianer zum allerbesten regelten.
Zur Befragung des Lochs mußte ein bestimmtes Ritual ausgeführt werden, mit dem die Möbianer schon in ihrer Kindheit bekannt gemacht wurden, wenn sie von Priesterinnen Unterweisung erhielten in heiligen Dingen. Und bei diesem Ritual schien vor einiger Zeit ein Mißgeschick passiert zu sein. Vermutlich hatte irgendein hitziger Möbianer das Loch in irgendeiner brenzligen Angelegenheit befragt und in seinem jugendlichen Leichtsinn das Ritual falsch ausgeführt. Es muß schon ein gravierender Fehler gewesen sein, den er gemacht hatte, denn das Loch verweigerte nicht nur ihm die Antwort, sondern verweigerte von nun an einem jeden die Antwort – ausnahmslos. Die Möbianer konnten es zuerst gar nicht recht fassen. Anfangs versuchten sie noch, das Loch mit Geschenken und Lobgesängen zu versöhnen, daß es ablasse von seinem Zorn und die Kränkung verzeihe und wieder zu ihnen spreche – aber es erbrachte alles keinen Erfolg. Das Loch schwieg beharrlich.
In Möbiusland begann sich Verzweiflung breitzumachen. Zuerst versuchten die Möbianer noch, sich irgendwie ohne die Ratschläge des Lochs zurechtzufinden. »Soll es doch schweigen, wenn es nicht reden will, das blöde Loch!«, sagten sich viele von ihnen, denn die Möbianer sind ein stolzes Volk – aber mit der Zeit machten sich doch Verwirrung und Irrtum breit. Die Bauern wußten nicht mehr, was säen und wann ernten, die Handwerker hauten sich mit dem Hammer auf den Daumen, die Arbeiterinnen und Arbeiter stellten immer nutzlosere Dinge her, die umherreisenden Hexen wurden seßhaft und ihre Kristallkugeln trübe, die Kaufleute wurden habgierig, die Beamten überheblich, die Priesterinnen eitel, der König einsam und die Königin wußte nicht mehr, was das heißt: »Ich liebe dich.«
Das Wissen um die Ausübung des Rituals, mit dem das Loch zu befragen war, begann sich ebenfalls von den Möbianern zurückzuziehen. Wenige Tage bereits, nachdem das Loch sich den Möbianern verschlossen hatte, begannen sich verschiedene, einander widersprechende Ansichten zu verbreiten, was die Ausführung des Rituals betraf. Der eine meinte, man müsse es so und so machen, und daß man es nicht so und so mache, sei der einzige Grund für das beharrliche Schweigen des Lochs – dagegen meinte ein anderer, so und so dürfe man es auf keinen Fall machen, denn dadurch würde das Loch nur noch verschlossener werden, sondern man müsse es so und so machen... aber da das Loch weiterhin schwieg, egal, ob man es nun so oder so machte – und manche versuchten sich in durchaus merkwürdigen Ritualen –, nachdem also alles nichts half, wurden die Möbianer immer mutloser und hoffnungsloser. Streit und Bitterkeit begannen laut zu werden in den Dörfern und Städten von Möbiusland. Es ging ein Gerücht um, an der Grenze stehe ein fremdes Heer – dabei war es den Möbianern bisher völlig unbekannt gewesen, daß ihr Land überhaupt eine Grenze habe, den wenn man es in die eine Richtung verließ, kam man wenig später aus der anderen Richtung wieder herbei. Und schließlich begannen die Möbianer sogar zu vergessen, daß es einmal ein Loch gegeben hatte, aus welchem ihnen unendliche Weisheit und ewiges Wohlbefinden zugeflossen waren.
»Du meinst also, daß das Loch wieder spricht?« fragte der Möbianer den auf ihn zurennenden und wild gestikulierenden anderen Möbianer. »Hast du es denn sprechen gehört? Und was hat es gesagt?« – »Ja, es spricht wieder, und ich habe es sprechen gehört! Und was es mir gesagt hat, das kann ich dir natürlich nicht sagen – erinnerst du dich denn nicht mehr, daß es nur der verstehen kann, der es gefragt hat, und daß die Antwort nur ihm etwas nützt und den anderen gar nichts – weißt du denn nicht mehr, daß die Bitte, die es erfüllt, nur dem etwas nützt, der darum gebeten hat, weil ein jeder Möbianer eine andere Bitte im Herzen trägt und eine andere Art und Weise, ein Geschenk zu empfangen? Hast du vergessen, daß zwar das Loch spricht, aber daß von dem, was es spricht, nicht gesprochen werden kann?« – »Freilich, jetzt wo du es sagst, erinnere ich mich wieder. Aber das Ritual weiß ich nicht mehr, mit dem ich es befragen kann, niemand in Möbiusland weiß es mehr. Du behauptest, es wieder zu kennen? Wer hat es dir mitgeteilt? Willst du es mir nicht auch mitteilen?« – »Freilich will ich das! Komm her, ich flüstere es dir ins Ohr, und dann gehe nach Hause zu deiner Frau oder Liebsten oder zu deinen Liebsten und tue, wie ich dir sagte. Eben so, wie ich es dir jetzt mitteile, hat es mir ein anderer mitgeteilt, und daher weiß ich es – aber ich wußte es ja früher schon, und du wußtest es auch schon und ich erinnere dich nur daran.«
Und er flüsterte es ihm ins Ohr. Der Möbianer, dem er das Ritual auf diese Weise weitergab – flüsternd, und es sei an dieser Stelle verraten, daß es überhaupt nur flüsternd weitergegeben werden kann –, der machte große Augen und ein ungläubiges Gesicht und schließlich sagte er verwundert: »So einfach?« – »Ja, so einfach. Geh und probier’s aus!«
Der Möbianer warf sein Werkzeug weg und eilte schnurstracks zu seiner Geliebten. Die war gerade dabei, aus dem Fenster zu gucken und in die Welt hinauszuhorchen, ob sie nicht etwa das Loch, von dem so viel geredet wurde in der Stadt, zu Gesicht bekommen könne und seine warme, reine Stimme hören. Weil sie es aber – wieder einmal, zum wievielten Male schon! – nicht sah und nicht hörte, wurde sie zornig, oder traurig, oder mißmutig, oder alles zusammen, und in dieser Erregung wurde sie unvorsichtig und warf eine kleine, hübsch bemalte Vase vom Fensterbrett, daß sie auf dem Boden zerschellte. Jaja, so etwas passierte zur Zeit des öfteren in Möbiusland, da die Leute nervös und unachtsam geworden waren wegen der fehlenden Führung durch das Loch. Im ganzen Möbiusland zerbrachen Tag für Tag Dutzende, Hunderte, vielleicht Tausende von Vasen und Krügen und Kannen und Tassen, kleine und große, leere und gefüllte, und durch Möbiusland echoten die klirrenden Geräusche von den Scherben, die auf dem Boden herumkollerten, daß man sich manchmal die Ohren zuhalten mußte wegen dieses Lärms, und da in Möbiusland Dinge und Geräusche, die in die eine Richtung verschwinden, kurze Zeit darauf aus der anderen Richtung wieder herbeikommen, hallte das ganze Land davon wider – wie Wolken über die Erde, so zogen die Geräusche von zerspringenden Vasen kreuz und quer über Möbiusland, und den Möbianern schienen sie wie tönende Boten des Unheils, das über sie gekommen war und noch kommen würde.
»Liebste!« sagte der Möbianer, als er bei der Geliebten eintrat. »Das war das letzte Gefäß, das du zerbrochen hast, denn ich weiß nun, wie das Ritual lautet, mit dem das Loch angerufen werden kann!« – »Was?! Aber das wäre ja die Rettung für uns beide und überhaupt für das ganze Möbiusland und alle seine Vasen! Sag, wie hast du es erfahren? Und bist du auch sicher, daß es das richtige ist? Was mußtest du dafür bezahlen? Nicht, daß du wieder so einem Scharlatan aufgesessen bist, der aus unserem Unglück seinen Gewinn schlägt – so wie neulich der Astrologe, der uns Großartiges geweissagt hat, und es ist niemals eingetroffen.«
» Vielleicht wird es nun doch eintreffen, Allergeliebteste, du Engel unter den einmalgeflochtenen Frauen, du Zärtlichzarteste unter den Möbianerinnen...« (aus der gewissen Poesie in den Worten des Möbianers läßt sich bereits erahnen, daß das Loch seinen erhebenden Einfluß geltend zu machen begann) »...denn jetzt wollen wir es ausprobieren, und dann wirst du schon sehen, ob das Loch wieder zu uns spricht!«
» Was muß ich tun, Geliebter?« (Auch dies ein Wort, das seit der Abwesenheit des Loches nicht mehr über ihre Lippen gekommen war.) »Ist es sehr schwierig, das Ritual?« – »Ganz einfach. Im Grunde brauchst du gar nichts zu tun, es geschieht ganz von selbst. Ja, wenn ich die Worte, die mir ins Ohr geflüstert wurden, richtig verstanden habe, dann ist dies sogar ein unabdingbarer Bestandteil des Rituals, daß du und ich uns ganz und gar in das Ritual hineinbegeben und nicht denken, daß wir uns dabei in irgendeiner Weise bewegen müßten, weil das Ritual selbst uns die Kraft gibt, es richtig auszuführen.« – »So laß es uns tun! Ich bin ganz begierig darauf, das Loch endlich wieder einmal sprechen zu hören.« – »Komm mit nach draußen auf die Wiese, das Ritual fürchtet die Sonne und den Tag nicht.«
Auf der Wiese sprießte das saftige Gras und darübergestreut waren lauter verschiedenfarbige Blumen mit lauter verschiedenen Namen – es war Frühling, der Luzifer der Jahreszeiten. »Leg dich auf das weiche Gras, Liebste«, begann der Möbianer seine Anweisungen für den Ritus zur Anrufung des Lochs. Mag er vordem noch letzte Zweifel gehabt haben, ob das ihm mitgeteilte Ritual denn auch wirklich das wahre Ritual war, so schwanden diese nun vollends dahin, als er seine Geliebte so liebreizend vor sich liegen sah und in die Sonne blinzeln. »Du brauchst die Augen nicht zu schließen – wenn das Loch zu dir spricht, wird es selbst sie dir für einen kurzen Moment schließen.« – »Ja, ich glaube, ich erinnere mich, unsere hellenischen Vorfahren nannten es mýein. Oh, ich ahne schon das Ritual. Beginne nun – ich werde alles mit mir geschehen lassen, denn ich ahne, ja, ich weiß: Es ist das richtige Ritual.«
Also begann der Möbianer sich zu seiner Geliebten zu beugen und zog ihr – übrigens ohne daß er darüber nachdenken mußte – die Strümpfe aus. Daraufhin wandte er sich ihrem Gesicht zu – halbgeschlossen schon waren ihre Augen –, faßte ihre Arme und hob sie etwas an, damit er ihr die Bluse abstreifen konnte. Ihre Brüste streckten sich der Sonne entgegen, die in Möbiusland auch »Das schweigende Auge« genannt wird. Zuletzt zog er ihr das Röckchen aus. Andächtig verharrte er einige Minuten – dort war es: das Loch. Mit den Händen begann er es vorsichtig zu liebkosen; dann, da dies dem Loch offensichtlich gefiel, setzte er seine Lippen an die Grotte, hinter der es sich verborgen hielt, küßte das samtene Fleisch und ließ die Zunge sanft den Spalt entlanggleiten bis zur Perle, und benetzte diese, während das Herz überquoll vor Freude: Gleich würde es zu sprechen beginnen, das Loch! Endlich! Endlich würden er und seine Geliebte wieder teilnehmen können an der grenzenlosen Weisheit des Loches, und ihr Leben würde wieder von Wahrheit und Schönheit und Liebe geleitet werden, und diese Weisheit würde sich in ganz Möbiusland verbreiten und alle würden wieder glücklich sein wie in früheren Tagen!
Auch er streifte sich nun allen Stoff ab und näherte sich mit seiner Frage – die sich ganz von selbst gestellt hatte – dem Loch, das ihm Antwort zu geben nur allzubereit war. Als die Frage in das Loch eindrang, spürte er bereits, daß das Loch zu antworten begann. »Mir scheint, das Loch spricht schon«, hauchte er seiner Geliebten ins Ohr. – »Ja, aber frag nur weiter! Die Antwort ist mir noch nicht laut und deutlich genug! Und sag nun bitte nichts mehr, damit wir das Loch besser hören können.« – Also drang er immer weiter und weiter in das Loch ein, und die Antwort des Lochs überflutete sie beide und dieses Fluten wollte kein Ende nehmen, und die Antwort ließ nicht den geringsten Rest Zweifel übrigbleiben – und es war nicht nur eine Antwort, es waren mehrere Antworten, die aufeinanderfolgten wie Wellen und die Körper der beiden reinigten von aller Sorge und allem Schmerz, daß nur noch Glückseligkeit zurückblieb – aber wie unzulänglich sind doch Worte, zu beschreiben, worin die Weisheit des sprechenden Lochs besteht!
Der solcherart wieder klug und glücklich Gewordene verspürte bald darauf den Drang, diese frohe Botschaft im ganzen Möbiusland zu verkünden. Und so lief er auf den nächsten Möbianer zu, den er zu Gesicht bekam, und rief ihm freudig entgegen:
I Feuchter Strauß
Wasserrose, schöne, Du! Kneif die Blüten nicht so zu. Laß mich mit der Zunge nippen an den Wasserrosenlippen. Unter Wasser stoß ich zu – Deine beiden Blätter wippen.
II Trockener Korb
Was? Igitt! Ich hasse das, dabei werde ich ja naß, gräßlich finde ich zu lecken Säfte, die nach Körper schmecken, und mich ekelt ohne Maß Glieder ineinanderstecken.
Unter meinen Händen sprechen deine Brüste sieben Sprachen Unter meinen Fingern klimpert dein Po wie ein Kinderklavier Unter meinen Lippen quietscht deine Scham – eine Kirchentür Über dem Feuer meines Geschlechts
fliegen deine Haare dem Himmel entgegen
Vor meinem Fenster stieg sie vom Rad. Sie ahnte nicht, daß sie im selben Moment in meine Träume stieg. Dort schlüpfte sie – nackt – in hundert Bilder und weigerte sich, wieder herauszukommen. Dreieinhalb Jahre, nachdem ich sie zum letzten Mal gesehen hatte, weinte ich zum ersten Mal im Traum. Sie hörte es und sprach aus einem Bild heraus: »Laß uns einen Vertrag machen. Ich wohne in Deinen Bildern und Du gibst mir den Schlüssel zu Deinem Herzen.« – »Wann wirst Du es öffnen?« – »Heute, morgen oder im nächsten Leben.« – »Oder nie?« – »Doch, das ist versprochen: Irgendwann einmal trete ich in Dein Herz ein.« – Ich weinte zum zweiten und, wie ich fürchte, nicht zum letzten Mal.
»Alle Zufälle unseres Lebens sind Materialien, aus denen wir machen können, was wir wollen – Wer viel Geist hat, macht viel aus seinem Leben – Jede Bekanntschaft, jeder Vorfall wäre für den durchaus Geistigen – erstes Glied einer unendlichen Reihe – Anfang eines unendlichen Romans.« Novalis
Keine Vision hat dich angekündigt Kein Schicksal verband uns Kein Plan sah unsere Liebe vor Und dennoch – als wir uns begegneten Wußten wir voneinander Deine Ideen waren die meinen Dein Herz träumte dasselbe wie meines Und meine Seele umarmte die deine im Nu
Ich möcht mit dir ins Kino gehen Und Woody-Allen-Filme sehen Ich möchte deinen Po liebkosen Und deine Seele ganz verstehen Auf deiner Stirne blühen Rosen! Es lichterloht in unsern Hosen! In meiner Kehle singt ein Gott! Ich brech mit dir das Himmelsbrot!
Das Lied von der sexuellen Treue
Wenn ich sie küsse bin ich dir treu Wenn sie lächelt bin ich dir treu Wenn ich sie liebkose bin ich dir treu Wenn sie flüstert bin ich dir treu Wenn ich in sie eindringe bin ich dir treu Untreu würde ich dir wenn ich sie nicht liebte
Die irdische und die himmlische Liebe
Der Geschmack meines Geschlechts entsteht auf deiner Zunge plötzlich wie der Vögel Ruf
Die Engel
Herabgestiegen zur Erde Sind die Bewohner des Zodiaks Es sind die Engel der Zeit Sie kennen alle Schritte der Menschen
Sie wissen die verborgenen Ziele Unsrer verschlungenen Pfade Und wenn wir stolpern Verstehen sie und zeichnen es auf
Es hat keinen Zweck zu hasten Die Engel bestimmen den Ort und die Stunde Wann wir der Geliebten begegnen
Ohne sich anzukündigen Stehen sie plötzlich vor uns Und führen uns heim zu ihr
Die letzten Tränen
I Die letzten Tränen sind noch nicht vergossen. Denn noch wird hart das Herz, weil es den Gott nicht mehr erkennen kann, nur noch den Teufel Mensch. Am Abend bettet die Hungernde in Bitterkeit, die Vergewaltigte in Haß sich und die von einer Granate Verstümmelte glaubt nur noch an den Mörder Zufall. In dem Gefolterten ist ausgelöscht, wie ausgebrannt mit einem glühenden Eisen, sogar der Glaube: »Ich bin Mensch.« Der grausame Bruder des Todes: die Angst regiert die Nacht – ein Schreckensregiment. Der Morgen verheißt nur neue Schinderei und Qual: In Erde gräbt der Mensch nach Brot, ständig lauernd, ob nicht ein heimtückischer Schlag ihn plötzlich niederstreckt. Alle Gedanken kreisen nur um Schmerz und Hunger und Kälte und so wachsen Tag für Tag, wie Stalagmiten, Herzen aus Stein. Sie liegen groß und schwer in meiner Schwestern Leiber.
II Die Mutter des Universums hat beschlossen: Die Zeit der Tränen ist gekommen. Stein wird zu Wasser. Unaufhaltsam wie die Flut ist meine Liebe.
Nike
Als ich meine Augen zum Horizont hob Um den Kreis meines Schicksals auszumessen Sah ich Dich aufsteigen: Eine schlanke Frau in einer Rüstung aus Licht. Wohin ich auch gehe, immer gehe ich Dir entgegen – jeder Herzschlag ein Freudensprung.
sich etwas zu essen machen Wasser aufsetzen den Tee ziehen lassen ein Ei schälen und nicht vergessen
Quadratur des Kreises
»Es liegt nur an der Schwäche unsrer Organe, daß wir uns nicht in einer Feenwelt erblicken.« Novalis
Verborgen unter der Schale der Nacht schlägt der Puls einer anderen Zeit –
nach geheimem Rhythmus berührt sie die Erde und verklärt ihre Tage: Plötzlich schlafen die Ohren ein die Gedanken purzeln durcheinander und die Augen sehen doppelt – der Mond geht im Zimmer umher durch die Tapeten glänzen die Sterne am Tisch sitzt eine Fee und speist Fisch. Mit schlafwandelnder Zunge frage ich sie nach ihrem Namen – »Elisabeth« – schon ist sie weg. Warte nur! Ich studiere Astrologie und eines Tages errechne ich deinen nächsten Besuch. Dann erwarte ich dich zur gewahrsagten Stunde mit Rosen und Tränen gekleidet in Philosophie und ein Liebesgedicht in der Tasche.
Während ich an dich denke läuft die Milch über während ich von dir träume wird der Tee bitter während ich auf dich warte verkocht das Gemüse Wegen dir muß ich von Licht und Luft leben
So geh doch weg aus meinem Herzen! Ich habe Dich geküßt und das war falsch. Der kurze Blick, so tief, in Deine Seele –
Es war vielleicht ein Gruß aus fernen Leben. Doch hab' ich nun erkannt: Du sahst mich nicht. Schon unser Abschied: Ich war nur Statist. Was ich glaube, wer ich bin – interessiert Dich nicht. Das kurze Glück war also Illusion.
Die Macht der Illusionen – sie nimmt zu! Im Spiegelsaal des Herzens Dein Gesicht Tausend- und abertausendfach sich bricht: Wohin ich schaue – überall bist Du! Ich trete weinend aus der innern Kammer. Ich kann die Bilder länger nicht ertragen! Ich muß das blendend’ Silberglas zerschlagen! – Doch sanft entwindet Liebe mir den Hammer.
»Wenn es wahr wäre, daß man Mädchen mit der Schrift binden kann?« Kafka
Lilith
Es fehlte der Atem der Lieb’ im heimlich gewechselten Wort, es wuchs, ein Nachtschattentrieb, Bewußtsein aus dunklerem Ort.
Da hilft nur, den Morgen zu grüßen mit Kaffee, mit Toast und mit Küssen, die Liebe kommt uns entgegen auf altbekannten Wegen!
Reichtum der Erde
Dein Schoß birgt Tausende Ungeschriebener Gedichte Hinabsteigend in die Ewige Nacht deines Genitalen Bergwerks Fördere ich sie Singend zutage
Zwei Seelen wollen Hochzeit halten und sich ineinander falten: Die Form, zu der dein Geist gerann, schmiegt sich an die meine an, mein Geist, in diesen Akt gegossen, ist in den deinen eingeflossen –
der Wahn der Trennung, er vergeht und unsre Seelen sind erhöht.
Du mußt die Blüten sich entfalten lassen Und dulden daß die Blätter nacheinander fassen In stiller Freude ihren Glanz betrachten Und auf das Feuer in des Kelches Mitte achten Wenn dein Geschlecht und mein Geschlecht sich dann vermählen Beginnen unsre Münder zu erzählen Wo wir in den vergangnen tausend Jahren Lebten und welches unsre Schmerzen waren Und aus der Welt des Geistes steigt herab in unsre Zeit So mächtig angezogen von unsrer Körper Seligkeit Die Zukunft! Und alle Schmerzen die wir einst erlitten Verwandeln sich in stilles ewiges Entzücken
1 Mit der vollen Kraft meines Seins liebe ich dich. Keine Sonne leuchtet stärker als meine Liebe zu dir. Götter besuchen uns – verweilen – verlassen uns. Niemals wird mich diese Liebe verlassen.
2 Städte, die wir einst besuchten, zerfallen. Ein Kontinent stürzt zusammen unter der Last seiner Verzweiflung. Wir aber nehmen Wohnung auf den verwunschenen Hochländern der Venus, gelegentlich die Täler der Erde besuchend.
Copyright-Hinweis (Manifest des poetischen Kommunismus): Mit Gedichtemachen kann man nicht reich werden. Und vielleicht sollte man es auch nicht. Daher sind diese Gedichte frei zur weiteren Verwendung. Ihr Leser, und erst recht ihr Dichter unter den Lesern, verwendet sie nach Belieben! Wollt ihr zum Beispiel eurer Geliebten mit einem Liebesgedicht eine Freude bereiten, und eins von diesen hier scheint euch dafür geeignet, so nehmt es. Ihr könnt es natürlich auch verändern. Setzt den Namen eurer Liebsten ein, streut eigene Verse dazwischen, kürzt heraus, was euch nicht gefällt, übersetzt, was euch gefällt. Bastelt an diesen Gedichten herum, so viel ihr wollt! Und wenn es euch gelingt, auf diese Weise Geld zu verdienen – bitte. Nur eins ist euch natürlich untersagt: Verbietet den Autoren der hier veröffentlichten Gedichte nicht, dasselbe zu tun. Und damit nicht irgendein Idiot auf die Idee kommt und für sich das Copyright beansprucht auf diese Gedichte hier, in unveränderter oder leicht oder stark veränderter Form, wird hiermit festgestellt: Das Copyright für alle auf der Homepage www.vdhb.de veröffentlichten Texte liegt beim Verlag der Häretischen Blätter.
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Bibliophiler Hinweis: Die hier veröffentlichten und weitere Gedichte erscheinen demnächst als Buch im VdHB. |