hb_si_00

Verlag der
Häretischen Blätter
Postfach 160606
60069 Frankfurt a.M.
email@vdhb.de

[Willkommen]

[Neu im Mai '03]

[Heft 1 bis 3]

[Heft 4 und 5]

[Ceres-Artikel]

[Heft 6]

[Dieter Kochs KdaV]

[Koinzidenz]

[Lilith und Priapus]

[Lilith-Vortrag]

[Divina Commedia]

[Häretisches Manifest]

[Miszellen]

[Gedichte]

[Rechtschreibreform?]

[eShop?]

[Bestellinfos, Impressum]

[Edition Die Schnecke]

Häretisches Manifest

Die Häresie ist die älteste und am weitesten verbreitete Weltreligion. Es gab sie zu allen Zeiten, es gab und gibt sie in allen Ländern und sogar in allen Seelen. Wann und wo immer eine Religion entstand die Häresie war schon da. Sie lächelte im selben Moment, in dem eine Religion geboren wurde.

Sobald Heilige Schriften geoffenbart und Dogmen errichtet wurden gab es auch schon Apokryphen und Ketzerei. Obwohl die Häresie keine Kirche und keine Missionare kennt, sondern nur Laien und Adepten, ist sie auf dem gesamten Planeten verbreitet. Sie ist geheim und dennoch jedem zugänglich. Obwohl die Häresie keine Kreuzzüge und Bekehrungen unternimmt, wächst ihre Anhängerschaft unaufhaltsam. Sie ist die meistgehaßte und meistverfolgte Religion. Keine Religion kennt so viele Märtyrer wie die Häresie.

Die Häresie selbst ist die einzige Religion, die keine Häresien kennt. Alle Häretiker sind Heiden. Noch niemals hat ein Häretiker einen anderen Häretiker, ja nicht einmal einen Nichthäretiker verfolgt, bekehrt, gesteinigt, verbrannt. Die Häretiker kennen keine Inquisition, sie errichteten keine Scheiterhaufen und verbrannten niemals auch nur ein einziges Buch.

Die Häresie kennt viele Götter, aber kein einziger dieser Götter hat auch nur die geringste Ähnlichkeit mit den Göttern der anderen Religionen. Die Religionen der »Liebe« und des »Gesetzes« sind in den Augen der Häretiker Religionen der Lüge und der Feigheit. Die Götter der Herrschenden sind die Teufel der Häresie aber natürlich glauben Häretiker nicht an den Teufel. Das Verhältnis des Häretikers zu den Gläubigen der anderen Religionen schwankt zwischen Mitleid und Verachtung.

Die Häresie ist weiblich. Sie ist die ewige Begleiterin der Orthodoxie, sie ist der Pfahl im Fleische jedes Klerus. Die Häresie liebt den verwandelnden Tod, den die Greise fürchten. Die Häresie herrscht unerkannt über die Dogmen der Zukunft, und ehe sich diese materialisiert haben, hat die Häresie bereits ihre Vernichtung beschlossen.

Die Mystiker der Häresie sind die Anarchisten der kirchlichen und staatlichen Religionen. Während die Mystiker des Thanatos ihre nekrophilen Mantren anstimmen, lauschen die Mystiker des Eros den Offenbarungen ferner Sonnen.

hb_hm_41

»Wahrhafte Anarchie ist das Zeugungselement der Religion. Aus der Vernichtung alles Positiven hebt sie ihr glorreiches Haupt als neue Weltstifterin empor. Wie von selbst steigt der Mensch gen Himmel auf, wenn ihn nichts mehr bindet, die höhern Organe treten von selbst aus der allgemeinen gleichförmigen Mischung und vollständigen Auflösung aller menschlichen Anlagen und Kräfte, als der Urkern der irdischen Gestaltung zuerst heraus.«